01.01.15

An keinem anderen Tag im Jahr, auch nicht an Geburtstagen, spüre ich so sehr das Altern, wie beim Silvesterfeuerwerk.

 

Ich wache bei Nicki am Krankenlager und schmule durch die Jalousie. Sie und oben ihre Schwestern schlafen seelenruhig. Mir wird schwer um's Herz. Glücklich über's ganze Jahr, aber in dieser Stunde fehlt mir meine Unbeschwertheit und Feiern im Freundeskreis von früher. Nichts ist wie es war, auch nicht dieser Freundeskreis. Alles verändert sich. Aber die Erinnerung bleibt. Und ist nun ganz präsent. Alles fing mit meinen Cousins und zwei Freunden an. Videoabende. Wrestling gucken. Spielkonsole. Brettspiele. Scharade. Ein paar Anekdoten fallen mir ein und lassen mich wehmütig schmunzeln. Ich überfliege im Geiste kurz, was aus uns geworden ist, wie wir uns voneinander entfernt haben. Man verändert sich. Partner kommen dazu und bringen Freunde mit. Wieder andere entfernt eine Partnerschaft von der "Clique". So auch bei mir. Paul hatte seinen Freundeskreis und ich fühlte mich dort gut aufgehoben und geborgen. Und am Beginn einer Partnerschaft zählt nur dieser eine Mensch und alles ringsum fällt in den Schatten. Und hat man wieder Augen für die Welt um sich herum, sind die Veränderungen befremdlich. So viele neue Gesichter in der Runde. Rückzug war angesagt. Und so wechselte der Freundeskreis. Wir bekamen Kinder und verleben unseren Jahreswechsel nun zu zweit bzw. fünft daheim. Heute sogar getrennt. Und beim Blick aus dem Fenster kann ich das Feuerwerk zwei Häuser weiter erahnen. Der alte, wenn auch völlig veränderte Freundeskreis, feiert wie jedes Jahr zusammen. Zwei der alten sind sicher dabei. Ja, ich vermisse es. Sehr. Jetzt. Bald fallen mir die Augen zu und wenn ich aufwache, ist es vergessen... Aber jetzt... Jetzt fehlen sie mir. Jetzt fehlt mir die Unbeschwertheit... Und die Last der immensen Verantwortung und der kleinen und großen Alltagssorgen ist stärker zu spüren denn je. Das Gefühl, nie wieder sorgenfrei in den Tag hineinleben zu können, beengt mich. Macht mich traurig. Weckt Sehnsüchte. Einfach nur ausschlafen. Klingt profan, aber es fehlt mir so sehr und ist doch so unmöglich. Zeit für mich haben. Ohne Druck und ohne Verantwortung. Das impliziert nicht, dass ich etwas bereue. Die Wahrheit hat mich nur eingeholt. Es ist kräftezehrend und anstrengend. Jeden Tag. Auch wenn es noch so erfüllend ist. Weglächeln kann manchmal verdammt schwer sein...

8.3.15 22:16

Letzte Einträge: 17.01.16, 19.02.16, 20.02.16

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