04.07.14

Von Sanddünen und Seegurken

 Es ist Freitag, annähernd 30 Grad, kurz vor 17 Uhr.

 Oma, Opa und Mama machen sich auf zur Kita um die Mädels abzuholen. Rosi, Teddy und Hasi sind mit an Bord und begleiten Oma und Mama in die Höhle der Löwinnen. Gleich vorn im ersten Raum tappeln sie durch die Gegend und spielen ruhig und brav in Hemd,  Schlüpper und Schuhen mit Plastedinos, Bauklötzen und Autos.

 Oma und Mama kommen ins Sichtfeld. Ein Schalter wird umgelegt. Das Spielzeug fällt zu Boden. Sie rennen quietschend und johlend auf die Tür zu. Oma und Mama beugen sich runter und halten die Arme auf, die Meute kommt näher und hält ebenfalls die Arme auf, aber alles kommt anders. Die kleinen Ladies reißen Oma und Mama die Plüschis aus den Händen und biegen ab auf den Flur. Denn dort locken eine Rutsche (naja, eigentlich eine Rennbahn, die von den Mädels aber täglich zweckentfremdet wird), ein Holzkasten mit Xylophon und ein Kegel-Set. Nicki allen voran watschelt mit Rosi in der Hand lärmend bis zum anderen Ende des Flures, um sich einen Kegel zu holen und stolz damit Richtung Oma zurückzuflitzen. Unterwegs sieht sie Nina und Hasi, die sich am Xylophon zu schaffen machen. Rosi und der Kegel fallen der Schwerkraft zum Opfer und die Ladies streiten sich um den Schlegel. Derweil ist Hanna an der Rutsche zu Gange. Mit halb nacktem Po rutscht das irgendwie nicht so schön wie sonst. Voll doof.

 Mama wittert ihre Chance und schnappt sich die Maus. Ab in den Zwillingsbuggy mit ihr. Natürlich mit reichlich Gegenwehr. Aber Mama bleibt cool und Herrin der Lage und - klack - der Gurt ist zu. Sie richtet sich auf, atmet tief durch und visiert Nina an. Die startet noch einen Fluchtversucht, wird aber von Mama ganz souverän "verhaftet". Die Gegenwehr im Buggy toppt Hannas um Längen. Es wird gekratzt und gebissen. Aber Mama bleibt cool und Herrin der Lage und - klack - der Gurt ist zu. Sie richtet sich auf, atmet tief durch und macht sich daran, den ganzen Kram einzusammeln, während Oma Nicki nicht aus den Augen lässt. Oder andersrum. Auf jeden Fall schlägt sich Oma beim Fangen nicht schlecht und hat den sich windenden Aal bald auf dem Arm. Mama hat derweil Brotbüchsen, Flaschen,  Hosen und Mützen eingepackt und auf geht's zum Auto. Vorbei am ersten Raum, in dem der Erzieher noch seinen Dienst schiebt und das letzte Kind beaufsichtigt. Als wenn nichts gewesen wäre - und es war ja auch nichts, wenn man mal vom Lärm und Mamas Kratz- und Bisswunden absieht - grüßen Oma und Mama nochmal freundlich,  wünschen einen schönen Feierabend und ein erholsames Wochenende. Und dann ab ins grelle, heiße Freie.

 Nicki darf zum Auto laufen. Putzig sieht es aus, wie sie mit nackigen Beinchen voran marschiert. Naja, eher watschelt und mit den Armen wedelt sie wie ein aufgescheuchtes Huhn. Aber nicht etwa zu Mamas Auto. Nein. Opa ist das Ziel. Denn Opa nimmt sie auf den Schoß und lässt sie an den ganzen tollen Knöpfen und Hebeln rund um das große Rad im Auto spielen. Mama und Oma können die bockigen Schwestern also "in Ruhe" in Mamas Auto setzen. Macht sich genauso beschissen wie die Buggys. Aber Mama bleibt cool und Herrin der Lage und - klack, klack - die Gurte sind drum. Sie richtet sich auf, atmet tief durch und nimmt Nummer drei entgegen, die von Oma "entführt und verschleppt" wurde und sich entsprechend theatralisch aufführt. Aber wie gehabt alles easy - klack - Nicki sitzt, Buggy in den Kofferraum, Mama hinters Steuer, tief durchatmen und los geht's.

 Fünf Straßen weiter wird die wertvolle Fracht ausgeladen. Die Maus, die vorne sitzt, heute Nicki, bekommt wie immer Mamas Autoschlüssel und dackelt damit stolz auf den Hof. Heut dürfen sie noch ein paar Minuten draußen spielen. Hanna macht sich sofort daran, das Spielzeugmoped rauszukramen, schwingt sich drauf und heizt los. Nina scharwenzelt noch ein wenig um Opa rum, der sich auf ein Mäuerchen gesetzt hat und dem Treiben zusieht. Und ihre Hoheit, das sehr verehrte Fräulein Nikola, entdeckt den Catwalk für sich. Auf einer langen Holzlatte balanciert sie, nach wie vor in Schlüpper und Hemd, auf und ab. Germanys next Topmausi steht fest.

 Aber es hilft alles nix. Oma und Mama atmen nochmal tief durch und dann werden die Ladies eingesackt und ins Haus verfrachtet. Wieder lärmend und widerspenstig. Aber Mama bleibt cool und Herrin der Lage und - klack, klack, klack - die Gurte der Füttersitze sind zu. Sie richtet sich auf, atmet tief durch und füllt die Tellerchen. Oma zieht währenddessen Schuhe und Socken aus. Es erklingt das nur allzu vertraute Geräusch von Sand, der auf den Küchenfußboden rieselt. Zirka ein Pfund pro Pranke. Und wohlwissend, was da auf uns zukommt, und in Anbetracht der Hitze, zieht Oma auch die Hemden aus. Nur im Schlüpper sitzen sie theatralisch jammernd am Tisch und beobachten jede Bewegung, die Mama macht. Es gibt Nudeln mit Tomatensoße. Und schon in den ersten Sekunden macht sich das Ausziehen bezahlt. Voller Gier wird der Löffel quer über den Teller gejagt und die ersten Nudeln landen auf den nackigen Bäuchen. "Oh!". Na egal, ist ja noch was auf dem Teller. Und das wird nun in die Schnuten geschaufelt. Und daneben. Und darüber. Und darunter. Na zum Glück ist Baden angesagt.

Mit vollen Bäuchen,  etwas träger als zuvor und mit Tomatensoßen-Ganzkörper--Kriegsbemalung stehen sie vor der Wanne und glotzen in die Fluten. Schlüpper aus. Windel ab. Eins rein. Zwei rein. Drei rein. Mama richtet sich auf und atmet durch. Und weiter geht's. Wässern, shampoonieren, einseifen und wieder wässern. Und nun dürfen sie noch ein bissl planschen. So viel Zeit muss sein. Plötzlich beginnt Nicki zu murren. Dann weint sie, richtet sich auf und streckt Mama die Ärmchen entgegen. "Kacka!".

 Ok, Töpfchen ran geholt, nasse Maus drauf, Handtuch drumrum und anfeuern: "Fein drücken, Nicki, fein drücken. Ja, fein. Schön kacka machen.". In der Wanne johlt es währenddessen ausgelassen weiter. Oma hat die Nixen aber im Blick. Mama macht also weiter: "Fein Kacka, Nicki. Schön drücken. Ja, so is fein.". Ein Kringel klingelt sich ins Töpfchen. Nicki schaut verdutzt ins hinein. Mama applaudiert ganz stolz. Und inna Wanne? Inna Wanne is es plötzlich so still. Und richtig - die Kacke is am Dampfen. Naja, genauer gesagt in Ninas Hand. Stolz streckt sie Mama ihr Kringelchen entgegen. Da hat Mama wohl n bissl zu dolle angefeuert. Und der Kringel is kein Einzelgänger. Hanna zeigt auf den Rest und will sich grad eine Seegurke angeln. "Raus aus der Wanne!", ruft Mama der Oma zu. Oma schnappt sich Hanna. Geradeso noch mit leeren Händen. Mama will den Scheißer grad rausnehmen, da bemerkt sie das rote Gesicht. Die Maus war noch mittendrin und voll dabei. Ok, dann kann der Rest auch in die Wanne. So schnell kriegt Mama jetzt keinen Topf ran. Und ehe was über den Badezimmerboden rollt, dann lieber noch fix zu den anderen Eiern legen. Völlig verdattert drein schauend werden die beiden dann fix abgeduscht, abgetrocknet, gewickelt und Opa und Oma übergeben, die sie ins Kuschelzimmer tragen.

 Nun fällt Mamas Blick auf Kakadu Nummer Eins. Nicki hockt noch immer artig auf ihrem rosa Töpfchen und beobachtet erstaunt das aufgeregte Treiben. Bissl wirkt sie, als würde sie sich fragen, ob sie beim nächsten Mal auch einfach in die Wanne kackern darf. So, wirklich geschimpft hat die Mami ja nicht mit Nina. Aber sie wird aus ihren Gedanken gerissen: "Stell dich hin, Nicki, Popo putzen.". Mami putzt und wickelt und ab mit ihr zu Opa und Oma. Und dann wieder zurück zum Tatort. Vorbei an dem ehemals weißen Küchentisch,  der jetzt an drei Seiten mit roten Fingerabdrücken und Schmierereien übersäht ist, und vorbei an den Sanddünen.

 Ok - fangen wir mit dem leichten Teil an. Das rosa Töpfchen leeren. Und dann - dann richtet sich Mama auf, schon sehr viel weniger cool, atmet tief ein,  bereut es sofort, würgt etwas und macht sich an die Arbeit. Zunächst mal bedauert sie, soviel Spielzeug in die Wanne gegeben zu haben. Hauptsächlich Enten und Becherchen in allen Farben und Formen. Aber das grenzt sich optisch wenigstens von den kleinen und großen braunen Bröckchen ab. Nun heißt es Spielzeug fischen. Ab ins Waschbecken, heiiiß abspülen und mit reichlich Desinfektionsspray benebeln. Dann zurück zum Seegurkenzuchtbecken. Nun die Matten raus. Wieder "würg". Gleich in die Waschmaschine damit. Jetzt der undankbarste Teil - Gürkchenfischen. Da geh ich jetz nicht ins Detail. Dann Wasser raus und Wanne schrubben. Und was wohl dann? Richtig - aufrichten und aufatmen.

 Und weiter geht's. Ab zur wilden Horde. Oma föhnt gerade Ninas Mähne. Die is damit nicht so ganz einverstanden und lässt Oma das auch wissen. Und spüren. Bissl pissig guckt die sonst so gelassene Oma inzwischen auch schon. Nicki hat indes Opa in Beschlag genommen. Zuvor hat sie, wie Mama zugetragen wurde, seinen Fluchtversuch vereitelt, indem sie sich an sein Bein geklammert hat. Und nun kuschelt sie sich an Opas Bauch, in der Rechten die Rosi und in der Linken Papis T-Shirt, mit dem sie schon seit dem Vorabend rumrennt. Mama lässt sich schnaufend auf die Matratzen im Kuschelzimmer plumpsen und - atmet tief durch.

Da kommt schon die wilde Horde an. Hanna tappelt mit Teddy aufm Arm über die Matratzen, lässt sich auf Mamas Schoß fallen und startet das Schmuseprogramm. Das sieht Nina gar nicht gern. Sie reißt sich von Oma los, stolpert in Richtung Mama und plumpst ebenfalls auf ihren Schoß. Sie schmiegt sich an Mama, mimt das brave Schmusekätzchen und rutscht dabei wie zuuufällig immer näher zu Hanna. Es wird gedrängelt, gezickt, gehauen und sogar schon die Schnuten bissbereit aufgerissen. Mama greift ein. Setzt beide runter. Beide ballen erst das Gesicht zur Faust, ziehen dann eine Schnute und fangen lautstark an, ihre Wangen zu wässern. Nicki,  mittlerweile von Opa ins Kuschelzimmer gesetzt, wittert ihre Chance. Ganz aufgeregt und so schnell sie ihre nackigen Beinchen auf dem weichen Untergrund tragen, eilt sie zu Mama und wirft sich ihr in die Arme. Rechts und links protestiert es nun noch lauter und nasser. Aber Mama bleibt cool. Nicki schaut zu ihr hoch und grinst triumphierend. Da kommt Oma schon mit den Flaschen mit der warmen Milch um die Ecke. Mama wird Nebensache. Sie gehen in Schlürfstellung und strecken die Händchen Richtung Oma. Erste Schnute verkorkt, zweite Schnute verkorkt, dritte Schnute verkorkt und dann: Synchronaufatmen bei Oma und Mama.

 Der Tag ist fast rum, die Zielfahne in Sicht. Die Pullen sind leer, die Bäuche voll, die Schnuten still und die Augen kleiner. Rosi, Teddy und Hasi (um genau zu sein, vier Hasis) rücken in den Fokus. "Nicki,  gehen wir ins Bett?". Die letzten Kräfte werden mobilisiert. Die 17 Stufen zu erklimmen, lässt sich keine der müden Mäuse entgehen. Sie watscheln mit nackten Füßen über das Laminat zu ihren Betten. Ab in die Schlafsäcke, Tuttis in die Mäulchen, Spieluhr an, "Gute Nacht.", Tür zu und dann: aufatmen.

Die Anspannung fällt ab. Ruhe kehrt ein. Das Schlachtfeld wird Papi überlassen. Er soll sich ja nicht ausgegrenzt fühlen, wenn er von der Arbeit kommt...

8.3.15 22:09

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